Mittwoch, 18. Februar 2026

So viel mehr als nur ein Fahrdienst
Von Johanna Pelz

Um 6.45 Uhr steigt Richard Brügging morgens in das Schulmobil. Alle vier Wochen ist der Rentner an der Reihe, die Mädchen und Jungen aus den Bauerschaften nach Rorup zu bringen. Dabei fährt er nicht nur einmal: Bei der ersten Tour sammelt er die Kinder und Jugendlichen der weiterführenden Schulen von zuhause ein und bringt sie zur Haltestelle am Kirchplatz, wo der Bus nach Dülmen abfährt. Um 7.30 Uhr folgt die nächste Runde: Jetzt werden die Grundschüler aus einem Umkreis von circa fünf Kilometer Entfernung abgeholt und zur Grundschule im Dorf gebracht.
Ähnlich am Mittag: Ab 11.25 Uhr holen Brügging und seine Mitstreiter die Kinder aus der Grundschule zu unterschiedlichen Zeiten wieder ab. Wenn um 13.30 Uhr dann die erste von zwei Schulbuslinien aus Dülmen am Kirchplatz eintrifft, wartet dort auch schon einer der Fahrer. Die letzte Tour am Spätnachmittag bringt auch die Jugendlichen, die länger Schule hatten, nach Hause.
Die Tage als Schulmobilfahrer sind also sehr lang, doch Richard Brügging hat Spaß an seinem ehrenamtlichen Engagement. Besonders zu sehen, wie unterschiedlich seine jungen Mitfahrer wären, sei immer wieder schön, sagt der Roruper. Die Kinder sicher zur Schule zu bringen, das sei ihm wichtig, ergänzt Brüggings Kollege Jürgen Mahnkopf. Dies gelingt den Fahrerinnen und Fahrern des Roruper Schulmobils bereits seit 13 Jahren - und zwar unfallfrei.
Im Wagen kommt es immer wieder zu spannenden Gesprächen: seien es Geschichten aus der Schule, von Klassenarbeiten, vom Sport oder der Familie. Die Fahrer haben oft über Jahre Kontakte zu den Kindern. Auch untereinander fahren viele Freunde gemeinsam Schulmobil. Doch zwischen acht Kindern bräche auch mal der ein oder andere Streit bei der Wahl des Radiosenders aus, erzählt Brügging schmunzelnd. Das ließe sich aber immer gut regeln. Bereits seit Start des Roruper Schulmobils im Jahr 2013 fährt der Rentner die Kinder mit Begeisterung zur Schule. Er kam über seinen Sohn, der sich im Förderverein der Grundschule engagierte, dazu.
„Das ist wirklich selten, dass wir zweimal fragen müssen: Wer möchte da fahren?“
Tobias Kommeter
Die Idee des Fördervereins, einen solchen Transport anzubieten, entstand nach der Abschaffung einer örtlichen Buslinie. Auf einem ersten Infoabend wurde das auf Ehrenamt basierende Modell ausführlich vorgestellt. Zehn Fahrer konnten über ein gutes Kontaktnetz gleich zu Beginn begeistert werden. Über die Schule fand das Modell schnell Anklang bei Schülerschaft und Eltern aus den Bauerschaften. Mit zwei Wagen wurde die damals deutlich kleinere Anzahl an Kindern und Jugendlichen morgens abgeholt und später wieder nach Hause gebracht. Inzwischen fahren rund 38 Prozent mehr Kinder als zu Beginn mit, erläutert der Fördervereins. Doch zwei Wagen reichen bis heute aus.
Doch vor einem halben Jahr drohte dem Projekt fast das Aus: Neun Fahrer gab es damals, doch einige planten, aufgrund ihres Alters oder gesundheitlicher Probleme aufzuhören. Unter dem Motto „Gemeinsam für Rorup“ suchte der Förderverein daher auf verschiedenen Wegen nach weiteren Mitstreitern - mit Erfolg.
Mittlerweile ist das Fahrerteam wieder auf 15 Personen gewachsen, die sich zweimal im Jahr zur Planung treffen. Dabei sei der Austausch mit den anderen immer wieder schön, so Brügging. „Das ist wirklich selten, dass wir zweimal fragen müssen: Wer möchte da fahren?“, beschreibt Tobias Kommeter, Vorsitzender des Fördervereins, die Motivation der meist männlichen Ehrenamtlichen, die alle über 60 Jahre alt sind. In der Vergangenheit hätten auch schon gemeinsame Ausflüge stattgefunden.
Die Kinder und Jugendlichen selbst fahren bis heute gerne mit den Ehrenamtlichen. Im Schulmobil erzählen sie gerne oder hören Radio, verrät ein Roruper Erstklässler. Immer mal wieder gibt es Geschenke für die Personen am Steuer, ebenso Spenden an den Förderverein von Eltern. Das Netzwerk zwischen Eltern, Fahrern und Schule funktioniert: Ist jemand krank, erreiche diese Info die Fahrer schnell. Und auch wenn wegen der Witterungsbedingungen mal Schwierigkeiten auftreten, sei auf die Eltern Verlass, so Brügging.
Die Strecken seien dabei übrigens auch schon einmal etwas länger. 80 Kilometer umfasst laut Förderverein die längste Runde. Koordiniert und angepasst werden die Strecken von Heinz Rüschoff, der selbst Fahrer ist. Aufgaben wie das Reinigen und Tanken der Wagen übernehmen ebenfalls die Ehrenamtlichen. Durch das Modell, als Alternative zu einem bezahlten Busunternehmen, konnten übrigens städtische Gelder an den Förderverein gespart werden und stattdessen in die Ausstattung der Grundschule fließen.
Der Förderverein sucht weiterhin nach Fahrern und Fahrerinnen. Voraussetzungen sind ein Führerschein, Spaß an der Tätigkeit und dass die Ehrenamtlichen aus Rorup oder der näheren Umgebung kommen. Weitere Infos unter Tel. 02548/ 919889 oder per Email an kommeter@foerderverein. mariengrundschule.de
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