Lange war nicht klar, ob der Besuch des Bischofs von Münster, Clemens August von Galen, überhaupt stattfinden könnte. Der spätere Kardinal hatte sich beim NS-Regime alles andere als beliebt gemacht.
Und zwar durch seine bald weltberühmt gewordenen Predigten, in denen er das NS-Regime anklagte. „Die Ereignisse der letzten Wochen ließen uns mit Sorgen in die Zukunft schauen“, so notierte die Hamicolter Klosterchronik die damalige Stimmung. „Es war sehr fraglich, ob wir unser Jubiläum noch würden feiern können.“
Doch dann war es so weit: Am Montag, dem 4. August 1941, traf Clemens August von Galen morgens in Hamicolt ein, um ab 9 Uhr in der festlich geschmückten Klosterkirche ein Pontifikalamt zu zelebrieren. Neben zahlreichen Gläubigen, die aus der Umgebung zusammengekommen waren, nahmen außer dem Rektor des Klosters auch die Pfarrer von Dülmen, Rorup, Karthaus, Darup und Lette an dem Gottesdienst teil.
„Das Thema der Predigt war die gegenwärtige Zeit“, so notierte die Chronistin des Ordens - offenbar übervorsichtig. War doch „die gegenwärtige Zeit“ aufgewühlt wie kaum zuvor gewesen.
Denn erst am Vortag, also am 3. August 1941, hatte Galen in der St.-Lamberti-Kirche in Münster die dritte und letzte seiner großen Predigten gehalten und die bestürzte Öffentlichkeit über die „Euthanasie“, die systematische Tötung Behinderter, in Kenntnis gesetzt.
In seiner Hamicolter Predigt am Tag darauf beschränkte sich der Bischof auf jene Kritik, die er bereits in einer Predigt am 13. Juli geäußert hatte, als er die nationalsozialistischen Schikanen und Enteignungen zahlreicher Orden im Bistum Münster thematisierte.
