Dienstag, 24. November 2015

Simon Schmiemann wollte Maler werden - und ist jetzt zweitbester Dachdecker-Azubi in NRW
Von Steven Micksch
Rorup. „Wenn ich heute nochmal die Wahl hätte, würde ich sofort Dachdecker werden“, sagt Simon Schmiemann. Der 23-jährige Roruper arbeitet im Familienbetrieb Schmiemann Holzbau, ist Bester seines Jahrgangs im Kammerbezirk Münster und Zweitbester im Land NRW. Dabei wollte er eigentlich ganz etwas anderes werden. Simon Schmiemann hat nach der Schule zunächst eine Ausbildung zum Maler und Lackierer absolviert. Aufgrund einer Allergie musste er jedoch den Beruf wechseln. „Ich habe dann eine Umschulung zum Dachdecker gemacht. Heute weiß ich, dass mir der Beruf einfach liegt“, sagt der 23-Jährige. Er findet toll, dass er draußen arbeiten kann, und liebt die Vielfältigkeit seines Handwerks. Weil er der Beste in der Lehrlingsprüfung war, durfte er sich im Bezirkswettbewerb mit anderen Prüfungsbesten messen. Für Simon sprang der erste Platz heraus, und er wurde zum Landesfinale nach Eslohe eingeladen. Hier erreichte er den zweiten Platz. „Hauchdünn“, kommentiert er seinen Abstand zum Erstplatzierten. Zwei Tage lang dauerte der Wettkampf in der Dachdeckerfachschule in Eslohe.
An einem Tag musste er eine Hauptprobe absolvieren, die er selbst wählen konnte. „Ich habe mir das Decken eines altdeutschen Schieferdachs mit Hauptkehle ausgesucht.“ Diese spezielle Art der Dachdeckung kommt häufiger im Sauerland vor. Sechs Stunden Zeit hatte Simon für die anspruchsvolle Aufgabe. Zunächst musste er planen und alles aufzeichnen, dann ging es ans Decken. Am Ende der Frist hatte er es geschafft, wenngleich zu 100 Prozent auch der obere Abschluss fehlte. Am zweiten Tag galt es, zwei Pflichtaufgaben zu erfüllen. Eine Biberschwanzziegeldeckung am Grad und eine Flachdachabdichtung mit Innenecke. Auch diese Aufgaben meisterte er und verlor doch „hauchdünn“. Trotzdem ein tolles Ergebnis, wie er selbst findet. Dass er einen Handwerksberuf ergreifen will, wusste Simon schon von Anfang an. „Ein Bürojob ist für mich nicht so interessant.“ Besonders an seiner Umschulung zum Dachdecker war, dass sein großer Bruder Daniel Schmiemann (25) sein Ausbilder war. „Das sehe ich aber eher als Vorteil, denn wir verstehen uns“, analysiert er. Simon empfand es eher als Bereicherung, auch weil sich die beiden abends noch einmal besprechen konnten. Aktuell macht der 23-Jährige seinen Meister und will anschließend auch den Klempnermeister machen. „Dadurch kann ich Metallarbeiten am Dach erledigen. Es reizt mich und ich will mein Wissen erweitern.“ Darüber hinaus ist das Ziel gemeinsam mit Bruder Daniel den Betrieb von Vater Berthold Schmiemann zu übernehmen. Der Familienbetrieb wurde 1947 von Simons Großvater gegründet und wäre dann in der dritten Generation. Allen interessierten Jugendlichen macht Simon Schmiemann Mut mit Blick auf seinen Handwerksberuf: „Dachdecker ist ein Zukunftsberuf. Da es Nachwuchsprobleme im Handwerk gibt, sind Gesellen sehr gefragt. Nach der Ausbildung hat man also gute Chancen. Nach der Meisterprüfung sei sogar noch ein Studium, beispielsweise in Architektur oder Bauingenieur wesen möglich.

Sein Können als Dachdecker konnte Simon Schmiemann bereits bei auf Bezirks- als auch Landesebene beweisen. Das Besondere: Sein Ausbilder ist sein älterer Bruder Daniel Schmiemann (kleines Foto, r.). DZ-Fotos: Micksch/privat
Quelle: