Die Zeit zwischen zwei Jobs für eine Reise nutzen
Die Idee zu dieser Reise entstand während eines Mittagessens in unserer Küche daheim in Salalah – wir arbeiteten hier im Oman zwei Jahre lang; Richie beim Bau einer Golfanlage, ich als Übersetzerin. An der Wand hing eine große Weltkarte, und wir überlegten, dass es doch langweilig wäre, die dreieinhalb Monate Zeit zwischen zwei Jobs ungenutzt zu verschwenden sowie die zwei im Oman gekauften Autos per Container und Schiff zurück in die Schweiz bringen zu lassen.
Nach monatelangen Abklärungen und Organisation ging es dann endlich los. Am 31. März 2011 starteten wir unsere erste Etappe der langen Reise. Wir hatten das große Privileg, unsere Reise auf der privaten Farm des Sultans starten zu dürfen. Auf unserem Weg nach Dubai besuchten wir die Oryx Farm im Inneren des Landes und besuchten zum letzten Mal den Souq (Basar) in Muscat, der Hauptstadt vom Oman. In Dubai angekommen, konnten wir die letzten Tage nutzen, um noch den letzten Feinschliff zu unserem Abenteuer zu machen.
Dann endlich, 8. April, konnten wir am Flughafen in Dubai unser Co-Fahrer-Team Caroline und Caspar Daenzer aus der Schweiz willkommen heißen. Gemeinsam verbrachten wir den nächsten Tag mit etwas Sightseeing, wobei ein Besuch des höchsten Gebäudes der Welt, dem Burj Kalifa, natürlich nicht fehlen durfte.
Am 10. April konnte es dann losgehen. Wir fuhren nach Sharjah, eines der Emirate, von wo unsere Fähre nach Bandar Abbas in Iran gehen sollte. Viele Stunden später und mit viel Geduld und nach einem starken Gewitter kamen wir und die Autos heil in Bandar Abbas an. Leider waren wir durch die Verspätung der Fähre gezwungen, unsere erste Nacht im Hafen von Bandar Abbas zu verbringen, da alle öffentlichen Ämter für die Einfuhr der Autos bereits geschlossen waren.
Wieder sollte unsere Geduld – anderthalb Tage – keine Grenzen kennen, aber letzten Endes zahlte sich diese aus, und nach vielen Stempeln, Kopien, Fahrten zu verschiedenen Büros konnten wir losfahren.
Ein UNESCO- Weltkulturerbe besucht
Wir entschieden aufgrund der Hitze, Iran durch die Berge zu befahren anstatt der Küste entlang – wer hätte gedacht, dass wir teilweise nur 2 Grad am morgen hatten, wenn wir aufwachten? Die Reise führte über die wunderbaren Städte Shiraz (woher ursprünglich die Weinsorte her stammt) und die Teppichstadt Esfahan. Wir besuchten eines der UNESCO-Weltnaturerben, die Persepolis. Eine alte atemberaubende Stätte. Weiter ging es durch die Berge in Richtung Teheran, wobei wir auf einen Besuch aus Zeitgründen verzichteten. Ziel war das Kaspische Meer. Wahrscheinlich erwarteten wir zuviel, aber es war etwas enttäuschend, wenn man das mit dem Rest des Landes vergleicht. Nach neun aufregenden Tagen, 1 001 neuen Eindrücken und nicht weniger vielen Emotionen verließen wir Iran, um in die Türkei einzureisen.
Der Grenzübergang ging erstaunlich schnell, war zwar etwas abenteuerlich, aber schon nach vier Stunden saßen wir bereits wieder in unseren Autos und fuhren los. Kurz nach dem Grenzübergang wurden wir von einem Militär-Checkpoint angehalten. Dort sagte man uns, dass wir das nächste Dorf – auch wenn die Ampeln ?? auf Rot stehen – so schnell wie möglich durchfahren sollen, da es sein könnte, dass wir mit Steinen beworfen würden. Es handelt sich dort im Osten der Türkei um ein weitläufig kurdisches Gebiet, und mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch durchfuhren wir den Ort so schnell wie möglich. Somit war für uns klar, soweit wie möglich zu fahren, was uns zu unserem ersten Stopp in der Türkei am Van See brachte. Die folgenden Tage fuhren wir weiter immer Richtung Westen, mit Halt unter anderem im wunderschönen Cappadoccia und Nemrut National Park. Die besuchten Orte waren voller neuer und toller Eindrücke – einmal mehr …
Roland und Danielle Gwinner stießen dazu
Nach drei aufregenden Wochen fuhren wir dann am 28. April 2011 in Istanbul ein. Danielle und Roland Gwinner (Mama und Papa) waren schon einige Tage vorher aus Rorup angereist und über Düsseldorf eingeflogen und erwarteten uns voller Ungeduld. Caroline und Caspar Daenzer flogen zwei Tage später zurück in die Schweiz. Mama und Papa übenahmen das Auto von Caroline und Caspar, um damit weiter bis nach Hause zu fahren.
Zwei Tage später, wieder etwas entspannt – nach einem ausgiebigen Hamam (Badehaus) und etwas Sightseeing in Istanbul ging es weiter über die Grenze – die Formalitäten dauerten nur einen halben Tag – nach Bulgarien ans Schwarze Meer zum Sonnenstrand.
Leider war das Wetter gar nicht auf unsere Seite, und somit fuhren wir weiter in Richtung Landesinnere. Die Eindrücke in Bulgarien waren gewaltig. Nach zwei Übernachtungen an abenteuerlichen Plätzen ging es weiter nach Serbien.
Auch dort war das Wetter ganz und gar nicht auf unsere Seite, weshalb wir dort nur eine Nacht verbrachten um am nächsten Tag richtung Kroatien reisten.
In Kroatien die erste komplette Durchsuchung
Zum ersten Mal während der gesamten Reise wurden wir an der kroatischen Grenze komplett durchsucht. Alle Sachen aus den Autos. Es waren nicht wenige. Der Genzabschnitt war übersät mit allerlei Dingen, die für so eine lange Reise unabdingbar waren.
Ich persönlich hatte eigentlich eher Mitleid mit den armen Zöllnern, in unseren nicht mehr ganz so frischen Sachen herumzuwühlen … Nachdem die Suche für die Zöllner erfolglos war, durften wir uns von den ersten tollen Eindrücken Kroatiens berieseln lassen.
Immer wieder habe ich von Kroatien als ein wunderschönes Reiseziel gehört. Nun konnten wir uns selber davon überzeugen und verbrachten unvergessliche Tage dort. Das Wasser war unglaublich klar und erlaubte eine Sicht bis weit ins Meer hinein, außerdem war das Wetter auch wieder etwas mehr auf unserer Seite und wir konnten sogar mit T-Shirt herumlaufen.
Alles Schöne hat aber ein Ende, und nach fünf Tagen fuhren wir weiter nach Slowenien.
Dort hatten wir zwei Tage Aufenthalt auf einem Campingplatz, und wir besuchten unter anderem die Tropfsteinhöhle Postonja sowie Maribor – als eingefleischte Skifahrer konnten wir es uns natürlich nicht entgehen lassen, die Weltcupstrecke der Damen zu erlaufen.
Bild: Diese tolle Aussicht genossen Roland Gwinner, Richie McGlynn und Simone Gwinner in Bulgarien.
