Bullemänner in Rorup: „Chicken-Hubert“ beim Song Contest
Rorup. Die Bullemänner haben sich ein schweres Experiment vorgenommen: Sie wollen feiern. Ohne Grund. Und das mit Westfalen. Die bräuchten doch eigentlich immer einen Anlass. Zum Beispiel einen kaputt geschossenen Holzvogel - außer in Merfeld. Die kriegen das Ding nämlich nicht von der Stange. Und schon ist klar: Das Experiment wird gelingen - und die Zuschauer im Roruper Festzelt werden an diesem Abend noch einiges zu lachen haben, beim Auftritt der Bullemänner Augustin Upmann und Heinz Weißenberg.
Die haben sich für ihr Programm „Ochottochott“ weibliche Verstärkung mitgebracht. Als osteuropäische „Ein-Mann-Kapelle, bestehend aus einer Frau“, wird Svetlana Ochottlawa aus Ochott, Suchtdrups Partnergemeinde am stillen Och, vorgestellt. Sie begleitet die rund dreistündige Bullemänner-Feierstunde am Keyboard.
Und musikalisch wird es immer wieder. Grandioser Höhepunkt ist dabei Upmanns Auftritt als „Chicken-Hubert“, der seine Hähnchen im russischen Permafrost lagert. Pech nur, wenn der Klimawandel kommt. Doch zuvor gibt der Hühner-Oligarch sein einmaliges „Wings of change“ zum besten: „Hähnchen, was die Welt zusammen hält, das sind Hähnchen“, schmettert auch das Publikum mit. Klar: Chicken-Hubert muss Deutschland nächstes Jahr beim Eurovision Song Contest vertreten.
Doch nicht nur einen Scorpions-Hit, sondern auch den Südstaaten-Blues bekommt der Münsterländer in seiner „Runkel-Taika“ ohne Probleme hin. Das beweisen die Bullemänner, unterstützt von „Blind Mama Hedwig“ alias Svetlana am Klappstuhl, die auch mal ein „Damen-Solo“ hinlegt.
Doch zurück zur Feier, die die Bullemänner mit dem Publikum abhalten wollen: Da wird die westfälische La-Ola-Welle eingeübt („Da können Sie ruhig sitzen bleiben.“) und Tanzlehrer El Allemange, aus Coesfeld und mit eigenwilliger Aussprache, übt Salsa ein.
Nicht fehlen darf natürlich Heini von der Freiwilligen Feuerwehr Suchtdrup. Der berichtet vom Ausflug seines Löschzuges zum Christopher-Street-Day nach Osnabrück oder dem Besuch der finnischen Partnerwehr, den „Tatütatannen“, einschließlich ersten Sauna-Erfahrungen. Sein Mitgefühl soll Heini dann beim Crashkurs „Umgang mit Opfern“ lernen. Doch dabei lässt der waschechte Münsterländer den Psychologen verzweifeln - und das Publikum lachen.
Staubtrocken, manchmal urkomisch, manchmal makaber, dabei charmant die Münsterländer Eigenarten herausstellend, so präsentieren sich die Bullemänner in Rorup - und das durchaus auch mit Hintersinn. Manche Witze müssten reifen, wie Bananen, stellt Weißenberg gleich zu Beginn fest. „Ich mag Tiere sehr, am liebsten zum Verzehr” lernen zum Beispiel schon die Kleinen im landwirtschaftlichen Kindergarten. Auch die Besinnlichkeit kommt nicht zu kurz, wenn der in die polnische Erntehelferin verliebte Erdbeerbauer jahrelang via Tagebuch mit sich selbst chattet. Als die Angebetete nach einer gefühlten Ewigkeit dann erklärt „Ich liebe dich”, fällt dem Bauern nur eines ein: „Ochottochott.”
Genau zwei Dinge fielen den rund 600 Zuschauern im ausverkaufen Zelt am Ende ein: applaudieren und Zugaben verlangen. „Wir können ja gar nicht weg”, beruhigen die Bullemänner und legten mit ihrem westfälischen Familienessen, das den Rheinländer eher an eine Beerdigung erinnert, Raps-Musik und dem Ursprung der münsterländer Sprache nach. Fazit des Abends: Auch wenn der Westfale zum Wort steht wie der Vegetarier zum Schnitzel, feiern kann er. Auch ohne Grund.
VON KRISTINA KERSTAN
Die Westfalen haben den Blues, beweisen (v.l.) Svetlana Svoroba, Augustin Upmann und Heinz Weißenberg im Roruper Festzelt.
(Foto: Kristina Kerstan)
