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Sonntag, 25. Dezember 2011permalink

Bild: Die drei großen Altarbilder zeigen (v.l.) das Abendmahl, die Kreuzigung und die Heilige Familie.

Dülmen. Das Bistum sagt Nein. Für die Erweiterung der Roruper Kirche soll es 1907 keine Hauskollekte geben. Gemeindemitglieder dürfen nicht in der Umgebung von Tür zu Tür gehen, um das Geld zu sammeln. Die Begründung: Beim Bistum mehrten sich die Anträge für Hauskollekten, so dass man es für richtig hielt, an der Praxis der Kirchenkollekten festzuhalten. Auch kirchliche Mittel stehen nicht für Rorup bereit. „Wir sind der Meinung, dass eine Landgemeinde mit konstanter Bevölkerung in fruchtbarer Gegend einen etwa notwendigen Kirchenbau aus eigenen Mitteln und ohne Hauskollekte ausführen könne und müsse“, heißt es in einem Schreiben im Juni 1907 aus Münster.

Die Roruper müssen noch fünf Jahre auf die so dringend benötigte Erweiterung der St.-Agatha-Kirche warten. Am 25. September 1912 wird das neue Gotteshaus eingeweiht.

Pfarrer em. Heinz Golder steht in jenem Teil der Roruper Pfarrkirche, der vor 100 Jahren an das bestehende Gotteshaus angebaut wurde. Im neugotischen Stil sei 1912 der Neubau errichtet worden, erläutert Golder. Mit wenigen Ausnahmen: Der Pfarrer weist auf die „kleinen Bömelken“ an den Säulen, die würden an den Jugendstil erinnern.
Durch die hohen Fenster im Altarraum scheint die Sonne, bringt das bunte Glas zum Leuchten. Voller Symbolik sind sie, erläutert Golder. So ist beispielsweise rechts die Heilige Familie zu sehen, über ihnen sei Gottvater abgebildet, so der emeritierte Pfarrer. Unterhalb von Jesus bildet eine ineinander verschlungene Darstellung von Kreuz, Herz und Anker quasi das Fundament. Dies seien Symbole für die drei göttlichen Tugenden Glaube (Kreuz), Liebe (Herz) und Anker (Hoffung), berichtet Golder.

Das mittlere Fenster dominiert eine Darstellung des gekreuzigten Jesus. Es ist das einzige Kreuz im Altarraum. Vor der großen Innenrenovierung 2002 hing hier das große Triumphkreuz, das heute im Seitenschiff zu sehen ist. „Das Kreuz im Fenster reichte aus“, so Pfarrer Golder.

Wesentliche Veränderung bei der Renovierung war zudem die Verlegung des Tabernakels vom Seitenschiff zum Hochaltar. Zuvor war der Agatha-Altar unter dem mittleren Fenster zu sehen. Jetzt steht er am Taufstein. „Das war auch sein ursprünglicher Platz“, erläutert Golder. Bei der Renovierung 1967/68, im Anschluss an der II. Vatikanische Konzil, war er versetzt worden.

Dann berichtet Golder, dass das Roruper Gotteshaus zunächst Maria geweiht war. Erst später wurde Agatha, die Schutz vor Bränden geben soll, die Patronin der Gemeinde. Bilder der Märtyrerin finden sich mehrfach in der Kirche: Ein Fenster im Seitenschiff zeigt sie zusammen mit dem Heiligen Hubertus. Im Altarraum zeigen zwei Reliefs Szenen aus dem Leben der Heiligen.

Die Bauersleute Krunk haben diese beiden Steinarbeiten gestiftet. Fast hätte es das Paar nicht nach Rorup geschafft: Für die Reliefs wurden zwei Sandsteinblöcke von Nottuln in ein Atelier nach Brüssel geliefert. Auf dem Rückweg beschlagnahmte der Zoll, vor dem Hintergrund des heraufziehenden Ersten Weltkrieges, am 26. Juli 1914 die beiden Kunstwerke am Grenzübergang Venlo.

An den Weltkrieg erinnert auch das gestiftete Fenster am Taufstein. Es zeigt den 1916 gefallenen Oberleutnant Alphons Leppelmann. Ein solches Kriegergedächtnisfenster sei selten, betont Golder. „Es gibt in NRW nur zwei davon.“ Auch das Roruper Ehrenmal befindet sich in der Kirche, hinter dem Seitenaltar sind auf zwei Steintafeln die Namen der Gefallen zu lesen.

Zurück zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Ab 1911 treibt der Kirchenvorstand den Erweiterungsbau nun ernsthaft voran. Im Oktober fällt der endgültige Beschluss, die Pläne der Architekten Becker und Sunder-Plaßmann. 78.000 Mark sind als Kosten vorgesehen, am Ende werden es 97.000 Mark sein. Ende 1911 beginnen die Arbeiten. Da der Winter 1911/12 sehr milde ist, geht der Bau zügig voran. Auch die Roruper packen mit an. So spenden Bauern 20 gute Eichen für ihre Kirche. Und schließlich bleibt auch das Bistum nicht mehr bei seinem Nein: Am 3. Dezember 1912 genehmigt es dann doch eine Hauskollekte für St. Agatha.


 

Quelle:
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